26 Okt

Ich brauche jetzt ’ne Käfersuppe

Immer wieder gibt es für Kinder und Eltern kleine und große Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Die Eltern wünschen sich dann oft kleine Hilfen, um diese Situationen leichter schaffen und ihre Kinder besser dort hindurch begleiten zu können. Gerne wird zu einem passenden Buch gegriffen. Inzwischen glaube ich, die thematisch passende Lektüre ist oft mehr Hilfe für die Großen als für die Kleinen. Um ins Gespräch zu kommen, um zu verstehen, zu erklären, um sich sicherer zu fühlen. Aber selbst wenn es so ist, macht das gar nichts, denn für die Kinder ist das Vorlesen allemal eine wertvolle Zeit. Kuscheln, Abtauchen in die Worte zwischen den Buchdeckeln, den Eltern lauschen, die Gedanken ein bisschen fliegen lassen.

Bücher gibt es da inzwischen in allen Formen. Die kleinen Helden sind Jungs oder Mädchen oder gleich Geschwister oder Freunde beiderlei Geschlechts, um alle anzusprechen.

Die Themen greifen alle möglichen Momente auf: den geglückten Besuch beim Zahnarzt, die erste Reise mit dem Flugzeug, den Eintritt in den Fußballverein, das erste Übernachten bei den Großeltern, ein Angesprochenwerden durch fremde Personen. Gleich ist in fast allen Büchern, dass die Kinder sich erst ein bisschen ängstigen und dann alles doch prima so hinbekommen, wie es am Anfang erwartet wurde. Ein Ganzandersmachen ist selten vorgesehen.

Ein großes Thema ist auch immer die Eingewöhnung in den Kindergarten bzw. inzwischen oft in die Kita oder die Betreuung bei der Tagesmutter. Manchmal gibt es jedoch die Situation, dass Kinder dafür nicht einfach nur etwas länger brauchen als andere, sondern damit noch gar nicht zurecht kommen und sich auf andere Bezugspersonen definitiv noch nicht einlassen können.

In der Elternberatung habe ich nun schon mehrfach die Situation erlebt, dass es den Eltern dann (beruflich) möglich war, einen Schritt zurück zu machen und das Kind nochmal aus der Betreuung zu nehmen. Manche waren ohnehin noch zu Hause und hatten nur das Gefühl gehabt, die Betreuung mit den anderen Kindern könnte ihrem Kind gefallen; dann war es noch unproblematischer.

Wir haben selbst etwas ähnliches erlebt und waren damals begeistert, als wir zufällig auf Jakob stießen.

_20161016_221339

Jakob hier in diesem Buch meistert den Einstieg in den Kindergarten nicht, wie all die anderen Kinderbuchhelden. Er ist noch nicht so weit. Und das ist auch gut. Er schaut sich alles an, aber beschließt am Ende, mit seiner Mutter erst mal wieder heim zu fahren, um Käfersuppe im Garten zu kochen.

Das Ende tut gut. Eltern und Kindern in dieser Situation. Ich war damals froh über diesen Zufallsfund. Vielleicht hilft es noch jemandem – oder macht einfach Freude.

Rosemary Wells: „Jakobs erster Tag im Kindergarten“ (erschienen im Sauerländer Verlag)