28 Apr

Und wenn das Familienbett nicht (mehr) funktioniert?

Das Familienbett kann ein großartiger Fixpunkt zu Hause sein und das Schlafthema zu einem Nicht-Thema machen. Es ist einfach da, Schlafen gehört dazu, ohne Kämpfe, ohne Stress, ohne nächtliches Gewander, Rufen und Suchen. Alle sind am gleichen Ort, sind sich nah, kommen in etwa in gleiche Rhythmen.

Doch was ist, wenn das Familienbett auf einmal nicht mehr für alle die richtige Lösung ist? Wenn ein Elternteil trotz größtem Matratzenplatz immer Füße im Rücken hat und kontinuierlich wach wird oder Schmerzen spürt, weil er so krumm liegt? Wenn ein Geschwisterkind immer wach wird, weil ein anderes nachts mehrfach lauthals aufschrecken? Wenn einer der Schläfer morgens immer übermüdet ist, weil ein anderer schnarcht? Wenn die Schlaf-Wach-Rhythmen so gar nicht mehr harmonieren wollen – oder die Wünsche nach Dunkelheit und Beleuchtung?

Es gibt so viele Möglichkeiten! Probieren, probieren, probieren. Wir haben ein bisschen Inspiration zu anderen Schlaforten gesammelt – allein in unserer Familie ist bei drei Kindern einiges zusammengekommen… Manchmal zeigen die Kinder, wie es gehen soll; man muss nur genau hinschauen. Und manchmal muss man selbst auf clevere Ideen kommen und braucht dafür gar nicht immer irre viel Platz und neue Möbel für viel Geld.

 

  • Beim ersten Kind hatten wir klassisch ein Gitterbett angeschafft, ohne weiter darüber nachzudenken, ob das wohl sinnvoll ist oder nicht. Im ersten Jahr haben wir es nicht benötigt, aber nach dem Abstillen rund um den ersten Geburtstag haben wir uns im Familienbett gegenseitig ständig so wach gemacht, dass es dem Papa unerträglich wurde, der morgens früh rausmusste. Also bin ich mit dem Kind umgezogen ins Kinderzimmer: er ins Gitterbett, ich ins große Einzelbett daneben. Katastrophe! Wenn er nachts wach wurde, zog er sich an den Gitterstäben in den Stand und wurde so richtig wach… Die Lösung fürs erste war simpel: ich holte ihn zu mir ins große Bett – Mutter-Kind-Bett – , er beruhigte sich nach dem Wachwerden rasch und schlief in meinem Arm wieder ein.

 

  • Doch das gegenseitige Wachmachen blieb; ich konnte nicht weg, hatte Angst, er könnte herausfallen. Der nächste logische Schritt war der zur Matratze auf dem Fußboden. Dort konnte ich mich abends und nachts immer mal wieder davonschleichen und in meinem eigenen Bett ein bisschen ruhigeren Schlaf bekommen. Das bedeutete ein bisschen Wandern, aber es wurde immer weniger, und insgesamt schliefen wir rasch störungsärmer. – Zwei Sorgen höre ich immer von anderen Eltern, wenn ich von diesem Weg berichte: gegen Schimmelbefall reichte es aber, die Matratze tagsüber aufzustellen und auslüften zu lassen, und dass das Kind dann ja einfach alleine aus dem Bett kann, machte mir keine Angst! Erstens war die Wohnung sicher genug, und zweitens kam er nie. Er rief, angstfrei. Ich glaube, die Tatsache, dass er frei hätte kommen können, war einfach gut genug für ihn; er musste nicht ständig gucken, ob er auch wirklich rauskonnte, ob wir auch wirklich da waren. Wir kamen ja immer sofort!

 

Foto: Hummel privat.

 

  • Auf der Matratze lag unser Sohn anfangs nur in seinem Schlafsack. Doch in einer Nacht wurde ich wach und sah, dass er sich ein Stück meiner Bettdecke herangezogen hatte, um sein Köpfchen dort hinein zu kuscheln. Ach! Ein Kopfkissen? In dieser Nacht schlief er besonders gut, und ich traute mich, ihm ein eigenes, dünnes Kopfkissen zu besorgen (er war vielleicht 16 oder 17 Monate alt). 80×80 cm groß. Er liebte es, kuschelte sich abends beim Einschlafen schon hinein und nachts auch ganz oft. Das half uns so sehr, und es war solch eine Kleinigkeit. Verrückt!

 

  • Unser zweites Kind konnte am allerbesten in unserem Bett einschlafen, aber doch zuverlässiger im eigenen Bett die Nacht verbringen. Also mussten wir es umlagern, wenn wir zu Bett gingen. Das Problem an der Sache war die Fremde im eigenen Bett – die spürte sie instinktiv sofort. Doch mit den klassischen Tricks konnten wir ihr helfen: ein T-Shirt, das nach Mama roch, durfte mit, und ein Kirschkernkissen wärmte die Matratze, bevor sie umgelagert wurde.

 

  • Ihr erstes Bett war gleich ein Jugendbett (das Gitterbett war längst verkauft), 1×2 m. Dieses Mal gab es als Rausfallschutz einen Kleiderschrank, der geschickt seitlich davor geschoben war und es noch dazu sehr gemütlich machte, so dass wir uns dort auch gerne alle zusammen zum Mittagsschlaf hineinquetschten. Der Vorteil dieser Bettgröße ist, dass man sich als Elternteil einfach dazulegen kann, wenn man nachts mal gebraucht wird. Kein Hocken am Boden, keine Hand durch Gitter strecken, kein Bücken – einfach möglichst viel Schlaf bekommen.

 

  • Geschwisterbetten hatten wir nur im Urlaub, nie zu Hause. Je nach Kindermischung, Alter und Aufgedrehtheit funktionierte das mal wunderbar und mal gar nicht. Ich weiß aber von einigen Familien, dass es dort eine super Alternative zum großen Familienbett ist. Das auszutesten kann sich also auch lohnen. Eigene Zimmer waren bei unseren Kindern erst am Ende der Grundschulzeit langsam Thema. Davor haben wir zumindest gemeinsame Zimmer in verschiedenen Konstellationen sehr gewinnbringend ausprobiert.

 

Foto: Hummel privat.

 

  • Unsere Nummer 3 hat auch gleich ein Jugendbett bekommen. Dort fungierten als Rausfallschutz mal ein Sofa, das mit der Rückenlehne zum Bett stand (plus großes Stillkissen im Bett), mal ein Trofast Treppenschrank, als unser Sohn etwas größer war, was zum Spielen und Klettern tagsüber eine willkommene Kombination war.

 

  • Ein (halbhohes) Hochbett, unter dem man spielen und an dem man rutschen konnte, war für die beiden ersten Kinder auch noch ein herrlicher Schlafort, als wir nicht mehr nachts regelmäßig dabeiliegen sollten. Wenn man sich umhört, ist das für viele ein Weg, das Kinderzimmer spannender zu gestalten und als neuen Schlafort anzubieten, wenn der Auszug aus dem Familienbett erst später geschieht als es bei uns war (jeweils mit einem Jahr) und nicht allein vom Kind ausgeht. Manchmal gelingt es mit so einem Highlight, manchmal nicht. Ratsam ist natürlich, das Kind immer gut miteinzubeziehen in eine Zimmerumstrukturierung (so schön der Gedanke an eine Überraschung auch sein mag – das kann nach hinten losgehen). Informiert man sich genauer, werden selbst halbhohe Hochbetten eher erst ab 6 Jahren empfohlen. Ob man es seinem Kind schon früher zutraut, muss man gut überlegen. Aber manche Kinder mögen solch einen Ort auch höchstens zum Spielen, doch keinesfalls zum Schlafen. Allerdings gibt es ja viele andere Möglichkeiten, und wie gesagt kann das auch gut was günstiges Gebrauchtes sein (nur mit neuer Matratze würde ich raten).

 

Foto: Hummel privat.

 

Das Wichtigste ist, dass die Schlaforte Wohlfühlorte sind, die gerne aufgesucht werden, die Ruhe spenden, in die man mit guten Gefühlen geht. Wie unser Jüngster gerne sagt:

„Zu Hause bin ich am liebsten in meinem Bett!“

IH

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