08 Aug

Pubertät x 2 – Teeniegeschwister im Streit

Wenn wir unsere Kinder beziehungsorientiert beim Aufwachsen begleiten, gehört es auch dazu, dass jedes Kind für sich gestärkt wird in seinen Bedürfnissen und Leidenschaften, um eine gesunde Persönlichkeistentwicklung durchlaufen zu können, sowie dass wir gemeinsam mit ihm gute Konfliktführung üben: den Blick auf Lösungen richten, Rederegeln finden, Pausen zulassen, Argumentation üben, den anderen ernst nehmen usw.

Mit diesen beiden Pfeilern (und mehr) als Basis sollten unsere Kinder stark in die Pubertät gehen im Bereich „Streitigkeiten“: Dispute mit Lehrern, Stress mit Freunden, Konflikte mit Fremden sollten sie also meist schon gut angehen und selbständig führen können. Und auch Geschwisterstreit, der unser Familienleben in den ersten Lebensjahren der Kinder oft übermäßig stark bestimmt und uns manchmal fast den Atem nimmt, sollte langsam weniger werden bzw. sinnvoller geführt werden können.

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19 Jul

Aus dem Kurs ins Leben, ins Herz – Post für die Zukunft

Wenn jemand die Leitung eines Eltern-Kind-Kurses übernimmt, gibt es verschiedene Voraussetzungen, die erfüllt sein sollten, damit man möglichst viel mitnehmen kann:

  • Es ist es von Vorteil, wenn er Fachwissen mitbringt. Natürlich gibt es auch viele Mütter, die Kurse anbieten und vieles weitergeben können! Aber manchmal werden dabei nicht fundierte Inhalte vermittelt, weil eben Aus- und Fortbildung fehlen und bestimmte Aspekte nicht hinterfragt werden. Eine Pädagogin, eine Trageberaterin, eine Stillberaterin, jemand mit bindungsbasierter Ausbildung wird seine Fachgebiete in der Regel versierter und auch auf dem aktuellsten Stand vermitteln können als andere. Denn es ist eben nicht nur „Singen und Klatschen“: gute Eltern-Kurse sind neben Hebammenbetreuung und guter kinderärztlicher Versorgung sowie im Verlauf bindungsorientierter Außer-Haus-Betreuung wichtige Grundpfeiler einer guten Versorgung mit Informationen, Impulsen und auch Sicherheit und Rückenstärkung auf dem eigenen Weg als Elternteil.
  • Es ist von Vorteil, wenn die Leitung Empathie, Herz und Mitgefühl hat: für die Eltern und für die Kinder. Das wird ihr ermöglichen, die Gruppe gut zu leiten, sich in die Bedürfnisse und Sorgen der einzelnen, aber auch in die Gruppendanymik gut einzufühlen und Eltern sowie auch Kinder gut abzuholen und zu begleiten. Wer nicht spürt, wo Themen brenzlig diskutiert werden oder jemand niedergemacht wird, und wer nicht sieht, wenn Babys und Kleinkinder überfordert sind und Hilfestellungen, Ruhe, Rituale und ganz bestimmt keine Übergriffigkeiten und Stress brauchen, der wird keine nachhaltig schönen Kurszeiten schaffen können. Wer nur einen vorgekauten Stundenplan abhakt („Heute reden wir über Beikost!“), obwohl andere Themen akut viel mehr beschäftigen, holt die Eltern nicht ab.

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25 Jun

Weg vom „damit aufhören“

Wenn unsere Kinder noch recht klein sind, vielleicht so um den ersten Geburtstag herum, fangen sie an, die Welt immer aktiver kennenlernen zu wollen. Ihre Mobilität wird größer und größer, und damit wächst auch die Möglichkeit, dass sie auf Gefahren treffen oder Dinge tun, die wir Großen aus anderen Gründen nicht gut heißen können.

In dem Alter und in der Zeit darauf ist uns oft klar, dass ein simples „Nein!“ nicht ausreichend ist. Die Kinder benötigen außerdem oft eine Begleitung, weil Wut, Frust oder Unsicherheit hochkommen, und ihnen hilft es, wenn sie von uns ein Alternativangebot bekommen. Das meint keine bloße Ablenkung, sondern wirklich ein Hinsehen: „Du möchtest so gerne an dem Stromkabeln herumknicken? Wir suchen Dir etwas ähnliches.“

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19 Jun

Warum bindungsorientierte Elternschaft Selbsterfahrung braucht

Es gibt einen Punkt, da kommen wir mit dem Lesen von Büchern oder Blogposts nicht weiter. Es ist zum Beispiel der Punkt, an dem mein Kind vor Wut schreit und meine eigene Wut hochkocht. An der ich weiß, dass ich jetzt ruhig bleiben sollte, und es doch nicht bleibe. Schlicht weil ich es nicht kann. Das ist einer der Punkte, an denen es etwas anderes braucht als Wissen.

Was es jetzt braucht ist Selbsterfahrung.  

Unter Selbsterfahrung verstehe ich, dass ich eine Erfahrung mache, die mich verändert. Das kann ein Kurs, ein Seminar, eine Beratung, ein Coaching oder eine Therapie sein – oder es kann einfach so passieren.

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25 Mai

Schlafprogramme – Was fehlt ist Mitgefühl!

Wenn Dein Baby wie ein Baby schläft, dann hast Du morgens vermutlich Augenringe und bekommst den Mund vor lauter Gähnen kaum zu. Dank Hormonen ist es vielleicht auch erst mittags ganz furchtbar mit Deiner Müdigkeit, aber sie ist da. Irgendwann kommt dann womöglich jemand mit der Meinung um die Ecke, Dein Baby schliefe falsch – es könne doch auch wie ein Stein schlafen! Was? Machst Du etwa etwas falsch?

Schnell ist dann meist auch irgendwer in Deinem Umfeld, der DEN Tipp schlechthin für Dich hat: ein Schlafprogramm. Herz aus, Plan an, trainieren. „Kontrolliertes Schreienlassen“. Klingt herrlich simpel und wie ein geprüfter Weg, den man ausprobieren sollte?! Bitte schau ihn Dir genauer an, bevor Du Dich auf diesen Weg einlässt – auch bei Kindern nach dem Babyjahr!

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09 Mai

Wissen was kommt

Viele von uns Großen sind vielleicht gerade ganz zufrieden mit einem eher leeren Kalender: keine Fahrten zum Fußballplatz, keine Elternabende, keine fünf Kindergeburtstagseinladungen, kein Erinnern an die Englischklassenarbeit. Leider fehlen aber auch die Geburtstagsparty des Kumpels, das Wochenende mit der Freundin, der Konzertabend und der Nachmittag im Erlebnisbad. Kalender und Pläne sind nicht nur voller Termine und Druck, sie geben auch Vorfreude und Orientierung.

Unseren Kindern geht es nicht anders. Nicht umsonst haben viele Familien Tages- oder Wochenpläne aufgehängt, damit die Kinder wissen, wann es wieder zu Oma geht, wann der Zoobesuch dran ist und dass sie noch zehnmal schlafen müssen bis zum Ferienbeginn.

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23 Nov

DIR HELFEN – nicht Dich „richtig“ biegen

In unseren Familienberatungen kommt immer wieder mal der Moment, in dem zu erkennen ist, einer Familie reicht nicht nur eine pädagogische Beratung, in der Eltern (entwicklungspsychologische) Informationen erhalten und ihnen Handlungsalternativen für den Alltag gezeigt werden, sondern sie brauchen manchmal weitere, andere Hilfe.

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12 Apr

Blick nach vorn!

„Ich stecke fest. In diesem Alltag. Immer wieder Streit mit den Kindern. Ständig diese Wut. Ausraster, Brüller, Tober. Nichts wollen sie annehmen, obwohl ich es doch nur gut meine. Gestern war es so noch okay, heute ist genau dieser Weg absolut verkehrt. Ich werde beschimpft, ich werde gehauen, Sachen werden geworfen. Ich will das nicht. ICH WILL DAS NICHT!! Ich will meine Ruhe. Ich will, dass wir uns vertragen. Ich komme ihnen doch schon so oft entgegen, suche Kompromisse. Warum sind sie so zu mir??“

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03 Apr

Ein gutes Bindungsnetz weben – aber wie?

Gute Bindungen aufbauen, Bezugsperson werden

Überall wird inzwischen von guten Bindungen gesprochen, von Bezugspersonen und dass ein Kind mehrere haben kann und sollte. Aber wie wird man eine echte Bezugsperson? Wie bleibt man das? Was braucht es dafür – im privaten und im institutionellen Rahmen? Ein schlichter enger Verwandtschaftsgrad reicht natürlich ebenso wenig wie ein Betreuungsvertrag. Man muss schon etwas dafür tun.

Eine gute, gesunde Bindung eines Kindes an einen Erwachsenen entsteht durch erfahrene, echte Zuwendung, durch das Gefühl von Geborgenheit, durch den Eindruck, wirklich akzeptiert zu werden. Sie entsteht durch eine „Pflegekompetenz“, die das Kind wahrnimmt, und durch eine enge Begleitung seiner Entwicklung in Form von Teilnahme, Hilfe, Orientierungsgebung, Ermutigen. Und besonders wichtig ist auch die erfahrene Verlässlichkeit. Die benötigte Intensität ist individuell verschieden, und der Zeitfaktor oder auch die räumliche Nähe sind gar nicht immer so relevant; so kann eine Großmutter in 500 km Entfernung, die man nur dreimal jährlich sieht, auf Grund ihrer echten Zuwendung, wann immer dies möglich ist, mehr Bezugsperson sein, als die nebenan lebende Tante, die nicht richtig im Moment ist, wenn sie auf das Kind trifft.

Möchte ich also Bezugsperson werden, muss ich mich hineingeben in das Kinderleben, Sicherheit geben, Bedürfnisse erspüren, am besten immer mal wieder Alleinzeit mit dem Kind verbringen und wirklich „mit“ sein, wenn das Kind die Welt erkundet oder davon erzählt. Ich sollte sicher und leitend Wurzeln geben, mich selbst und meine Bedürfnisse auch nicht verleugnen und dem Kind ebenso sicher Flügel ermöglichen.

Manchmal geht das ganz schnell, dass die Sicherheit da ist und alles klar ist zwischen zwei Menschen, und manchmal braucht es lange. Jedes Kind ist anders, die Atmosphäre kann sich unterscheiden, gemachte Erfahrungen spielen eine Rolle. Das Kind braucht seine individuelle Eingewöhnungszeit für neu hinzukommende Bezugspersonen – in der Kita, mit einem Babysitter, mit Verwandten. Die kann man auch nicht hektisch verkürzen, wenn man wirklich eine sichere Bindung möchte, aber man kann sich extra intensiv um den Aufbau bemühen: ehrlich, gefühlvoll, angemessen.

Und wenn sie wieder geht?

Manchmal geht auch eine Bezugsperson. Bei der Trennung von Eltern oder Partnern, aber auch durch andere Ereignisse. Umzüge, Wechsel von Institutionen, Todesfälle…alles mögliche kann Ursache sein. Dann bleibt definitiv eine Lücke. Der Part, den diese Person eingenommen hat, bleibt frei; die Bedürfnisse, die genau diese Person erfüllt hat, bleiben unerfüllt. Und dann?

Theoretisch kann eine der bisherigen Bezugspersonen die Lücke füllen. Praktisch ist dies nicht immer möglich, denn jeder hat ein gewisses Kraft- und Zeitkontingent, die irgendwann erschöpft sein können. Was aber immer möglich ist, ist dass eine neue Person diese Lücke füllt, den bisherigen Menschen im Leben des Kindes ersetzt. Das können sogar mehrere Personen gemeinsam übernehmen; so bekommt das Kind mehr Ansprechpartner, mehr Vorbilder, mehr Zuhörer, mehr Wurzelgeber und lernt auch noch mehrere verschiedene Beziehungsarten kennen, was für die soziale Entwicklung vorteilhaft sein kann.

Dann ist „mehr als die Eltern“ und „außerhalb der Kernfamilie“ gar nicht so ein Problem?

Nein, eine Betreuung durch Nicht-Eltern ist eben nicht simpel schlecht zu reden, wie es doch immer wieder passiert! Kinder müssen keinen Schaden nehmen, wenn eine der wichtigsten oder vor allem die primäre Bezugsperson nicht ständig greifbar ist – Hauptsache die anderen haben sich sanft in das Leben und das Herz des Kindes hineingearbeitet. Das kann im Babyalter wie bei Kleinkindern so sein oder auch erst bei großen Kindern und Teenagern. Gute Bindungen warten überall, man muss sie nur mit Bedacht ins bestehende Bindungsnetz hineinweben.

26 Mrz

Pfützen sind doch auch nur Wasser

Regen. Am Sonntag. Wie schön wäre es jetzt, nur auf dem Sofa zu liegen, zu malen, zu lesen, zu kuscheln, Kakao, ein bisschen fernsehen – Hauptsache nicht raus.

Die Grundschullehrerin unseres Größten sagte immer, sie merke montags genau, wenn so ein Sonntagswetter war, weil ganz viele Kinder sich tatsächlich zu wenig bewegt hätten. Als unsere drei Kinder alle im Kindergarten- und Grundschulalter waren, wäre das aber definitiv nicht gegangen. Wir hätten uns alle irgendwann nur noch angeschrien und Türen zugedonnert oder ähnliches.

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