05 Okt

Christian Hanne: „Papa braucht ein Fläschchen“

Das neue Buch von Christian Hanne ist ein echter Geniestreich aus Bindungsträumersicht: Ein:e Käufer:in und Selbstleser:in oder aber ein:e Schenkende:r erwartet wahrscheinlich ein lustiges bis vielleicht auch etwas zotiges Väter(Männer-)buch. Schenkelklopfer, Klagen über das anstrengende Kind, Sprüche auf Kosten der Mama?!? Nee, nee, da kennt man den Autor aber schlecht.

Hinter „Papa braucht ein Fläschchen. Überlebenstipps fürs erste Jahr als Vater“, dem Nachfolger von „Hilfe, ich werde Papa. Überlebenstipps für werdende Väter“ (vorgestellt in diesem Blogbeitrag; beide arsedition), steckt ein echt schöner beziehungsorientierter Ratgeber, der die neuesten Erkenntnisse berücksichtigt und als Basics aktuelle Ratschläge vermittelt, die ein Elternteil im ersten Lebensjahr des Kindes benötigt.

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22 Sep

Stefanie Rietzler & Fabian Grolimund: „Lotte träumst du schon wieder?“

„Lotte, träumst Du schon wieder“ ist ein Vor- und Selbstlesebuch für verträumte Grundschulkinder und ihre Eltern von Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund – beides Psycholog:innen, die sich besonders im Lerncoaching engagieren und dabei immer einen bindungsorientierten, liebevollen Blick auf Kinder einnehmen. Die Hauptfigur des Buches, das zehnjährige Hasenmädchen Lotte, trödelt und träumt, hat Ängste und stößt auf Herausforderungen, besonders im Schulalltag. Damit trifft sie auf Situationen, die etliche Kinder und Eltern kennen. Die Lektüre des Buches macht einerseits einfach als Geschichte wahnsinnig viel Freude, lässt die Leser:innen mitfühlen und -fiebern (und ist damit ein großartiges Buch für alle Bindungsträumer:innen), aber andererseits kann das Buch auch verträumte, schüchterne Kinder dabei unterstützen, Strategien zu finden, um ihr Temperament besser zu händeln.

Die beiden Autoren Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund haben mir einige Fragen zu „Lotte“ beantwortet:

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14 Sep

Neunmalklug macht gefühlssicher!

Meine liebsten Kinderbücher sind lustige oder aber gefühlvolle. Denn beides ist beim gemeinsamen Lesen ein Gewinn. Zusammen lachen verbindet, gemeinsam einfühlen auch – und es macht uns stark, zugänglicher zu unserem eigenen Gefühlsleben. Lektüre und Gespräche dazu schenken den Kindern Worte für das, was sie spüren.

Ganz wunderbar umgesetzt ist das in meinen Augen in den Büchern von Sarah Roller (Autorin) und Tina Nagel (Illustratorin) aus dem Neunmalklug Verlag.

In „Flieg, kleiner Drache“ zieht ein Kind mit seinem Opa los zum Drachensteigenlassen, erlebt aber neben Spaß und Gemeinschaft auch eine Herausforderung, als der Wind den Drachen in einen Baum zerrt. Ärger und Frust haben Raum, Tränen dürfen sein und finden einen Tröster und schließlich kann der Drache gerettet werden. Außerdem erleben die beiden Protagonisten noch viel Herbsttypisches nebenbei und entdecken Welt und Tiere – wobei die Leser gleich mitentdecken können, vom Eichhörnchen über Kürbisse bis hin zum Igel(-näschen).

In „Schwimm, kleines Boot (Wut darf sein)“ geht ein Kind mit der Großmutter auf Tour, und zeigt sehr deutlich, dass es in der Autonomiephase steckt. Auch hier dürfen Gefühle sein, werden begleitet und sogar besprochen. Die Leser können schon allen anhand der tollen Mimik des Kindes in Gespräche über Emotionen finden , und nebenbei ist wieder viel Raum für Naturentdeckungen auf den liebevollen Zeichnungen.

Was die Bücher für mich besonders macht, sind nicht nur die guten Inhalte, nämlich dass alle Gefühle okay sind, sondern auch die Aufmachung: die Illustrationen sind nicht zu viel und nicht zu wenig, ganz, ganz warm und sicher sowohl für Kleine als auch Große ansprechend, und der Neunmalklug verlagt wirbt außerdem mit dem Slogan „Bunte Geschichten in Grünen Büchern“. Dies meint klimapositives Drucken bis hin zu Kompostierbarkeit! Und ja: das hat seinen (gerechtfertigten) Preis.

Beide Bücher eignen sich ab 2 Jahren, und es gibt dort noch viel mehr gute Geschichten. Schaut Euch mal um!

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24 Aug

Béa Beste: „Erziehen ist ein Kinderspiel“ – ein echtes Bindungsbuch!

WOW! Ich habe „Erziehen ist ein Kinderspiel“ von Béa Beste (Trias Verlag) von vorne bis hinten verschlungen und bin tief beeindruckt. Davon muss ich unbedingt erzählen, aber das wird gar nicht so leicht, denn das Buch ist so ausführlich und umfassend… Ich versuche, das möglichst gut hier aufzuführen, aber zunächst hilft vielleicht erst einmal eine Einordnung: Was ist das denn für ein Buch?

„Erziehen ist ein Kinderspiel“ klingt in einigen Ohren vielleicht erstmal frech oder gar beleidigend. Ein Kinderspiel?? Ist es doch gar nicht!! Elternsein ist doch immer wieder so fordernd und anstrengend.

Und in anderen Ohren klingt es altmodisch bis autoritär: Erziehen? Wollen wir nicht endlich von Begleiten und Beziehung sprechen?? Weiterlesen

10 Aug

Danielle Graf und Katja Seide: „Das Geschwisterbuch“

(Vorwort: Jaja, eigentlich heißt das Buch, von dem ich berichten möchte, „Das gewünschtestes Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Das Geschwisterbuch“, aber wer will so eine lange Überschrift, und außerdem reicht bei anderen Büchern auch die kurze Version, um zu wissen was gemeint ist: DAS SCHLAFBUCH kann ja zum Beispiel eigentlich nur „Schlaf gut, Baby!“ meinen.)

Ich durfte bereits „Das Geschwisterbuch“ von unseren Vereinsmitgliedern Katja und Danielle (Beltz Verlag) lesen und habe dies mit den Augen der Familienberaterin getan sowie mit dem Blick als Mama.

sAchtsam Hummel liest

Die Familienberaterin in mir sagt kurz und knapp:

„Das Buch ist ein Geschenk!“

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09 Aug

Nora Imlau: „Mein Familienkompass“

Hast Du Dir schon mal überlegt, warum Du bei Bindungsträume im Blog liest? Wieso Dir Eltern-Kind-Bindung so wichtig ist, dass Du Accounts zum Thema folgst und in Gruppen bist, die sich damit befassen?

Warum verbringst Du nicht genauso viel Zeit in Foren mit dem Titel „Wie putze ich mein Badezimmer richtig?“ oder „Butter flott selbstgemacht!“?

Die naheliegenden Antworten wären beispielsweise, weil es um Menschen geht – auch noch um Dein Kinder. Weil da Liebe ist. Individueller wäre eventuell noch „weil ich so lange auf unser Wunder gewartet habe“ oder vielleicht auch „weil mit mir als Kind so schlecht umgegangen wurde“.

Doch das geht noch viel tiefer.

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06 Aug

Katja Seide & Danielle Graf & Günther Jakobs: „Baby ist da“

Geschwistereifersucht ist schon Thema, noch bevor es überhaupt ein zweites Kind in unserem Leben gibt: Wir sorgen uns, wie das alles werden soll zu viert. Für uns selbst, mit den Terminen und Verbindlichkeiten, mit den Alltagabläufen, dem Schlafen – und vor allem für unser erstes Kind, das dann großer Bruder oder große Schwester wird.

Texte, die uns Erwachsenen helfen, den Fokus richtig zu legen und unser Bestmöglichstes zu tun, damit unser erstes Kind sich sicher und geliebt fühlt (ohne Garantie, dass die Eifersucht nicht doch doll durchschlagen wird), gibt es viele; Kinderbücher, die einen beziehungs- und bedürfnisorientierten Blick haben und den Alltag realistisch, aber doch kindertauglich und auch noch warm zeigen, eher wenige. Oft sind sie für mich sehr „zeigefingerig“, theoretisch irgendwie. Man fühlt nicht mit bei der Lektüre.

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03 Aug

Mareike Engelke/Rike Drust: „Das Ei von Aua“

Poooooost! Und während ich noch begeistert den Buchumschlag befühle, der nicht nur wunderschön illustriert ist, sondern sich einfach auch total gut anfasst, steht schon unser Jüngster neben mir – in der Hand vier Förmchen für Wassereis. Er liest „Das Ei von Aua. Hä? Was ist das denn? Und wo ist das Ei?“

Weil ich schon ein bisschen über das Buch in meiner Hand gelesen hatte, zeige ich ihm den Eiswagen unten auf dem Cover auf dem man noch fast erkennen kann, dass dort mal „Das Eis von Aurora“ stand. Er versteht den Titel und amüsiert sich: „Können wir das gleich zusammen lesen? Aber erst musst Du mir mit dem Apfelsafteis helfen!“

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – voll clever von ihm, denn dann können wir das nachher schon schlecken.

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22 Jul

Ferdinand Saalbach: „Steine im Rucksack“

Im Folgenden teilen wir mit Euch einen Textauszug aus einer sehr bewegenden Autobiographie: im Buch „Steine im Rucksack“ beschreibt Ferdinand Saalbach seine Kindheit und Jugend sowie seine Entwicklung und Probleme, die aus den Erfahrungen dieser Zeit entstanden sind. Er erzählt nach, welche Versäumnisse und Fehler er an seinen Eltern wahrgenommen hat, wie er darunter litt und leidet, welche Hilfen er in Anspruch nehmen musste, um dennoch sein Leben leben zu können, und er lässt den Leser auch an der (jahrelangen) Auseinandersetzung mit seinen Eltern teilhaben.

Das Buch ist wahrlich keine leichte Kost (teilweise gibt es auch enstprechende Inhaltswarnungen für spezielle Kapitel), und als Leser bewegt man sich immer wieder zwischen den Polen „Das müssen die Eltern doch jetzt aber mal einsehen und mit ihrem Sohn an Lösungen arbeiten!“ und „Kritisiert er seine Eltern nicht zu sehr und sollte selbst etwas versöhnlicher auf sie zugehen?“  Gerade wenn man selbst eben die Kind- aber auch die Elternrolle kennt. Aber letztendlich sind es eben keine Kleinigkeiten, nichts einfach Verzeiliches. Es sind Wunden, teilweise üble. Und ein Sohn verdient zumindest das Anerkennen dieser! Wie oft sagen wir Bindungsträumer das: Die Gefühle (der Kinder) sind nicht immer nachvollziehbar, aber sie haben es verdient, dass wir anerkennen, dass sie da sind, und mit ihnen umgehen. Negieren ist keine Option!

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26 Jun

Christina Tropper und Alexander Smutni-Tropper: „Zwuderich der Unkürzbare“

Als ich die Post von Christian Hanne auspackte, der mir ein Kinderbuch für die Bindungsträume weitergeleitet hatte, war ich erst einmal überrascht: Das Format von „Zwuderich der Unkürzbare“ von Christina Tropper und ihrem Mann Alexander Smutni-Tropper (erschienen über epubli.de) sieht man nicht so oft bei Kinderbüchern. Es hat DinA4 Größe und ist eher ein Heft, aber mit festem Umschlag und ins Auge fallendem Cover!

Der gezeichnete Zwerg mit dem „echten“ Himbeerhut, den Nicole Baumann in einer Mischung aus Zeichnungen und Fotografien in Szene gesetzt hat, gewinnt sofort das Herz des Betrachters – eine Schale Früchte zur Lektüre wäre perfekt. Meine neben mir sitzende 13-jährige Tochter schaute sofort mit ins Buch, als ich das erste Mal durchblätterte und fragte begeistert, ob die Bilder zum Ausmalen gedacht seien. Explizit vermerkt ist das nicht, aber die Bilder und das Papier lassen Buntstifte sicher gut zu.

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