10 Mai

Kinder brauchen Verabredungen

In meinen Beratungen äußern viele Familien sich zu ihrem Stress rund um immer wiederkehrende Situationen, in denen es zu Gezanke, Gebrülle und Unzufriedenheiten kommt. Auf allen Seiten! Wenn wir dann gemeinsam genauer hinschauen, zeigt sich oft, dass jeder der Beteiligten ein Bild im Kopf hat, wie es laufen sollte, aber

  • diese Vorstellung passt gar nicht zum wirklich Machbaren – weil der Alltag nun mal andere Erfordernisse mit sich bringt, die Kinder zu klein, die Eltern zu rasch wütend sind oder oder oder
  • die eigene Idee dem Gegenüber gar nicht klar ist.

Es mangelt also an Kommunikation und auch Perspektivenwechsel. Ich schaue dann mit den Eltern hin, ob sie schon sicher wissen, was ihr Kind möchte oder wie sie das herausfinden können; und wir schauen hin, was die Eltern sich vorstellen, ob das im Alter ihrer Kinder überhaupt möglich ist und auch ob sie das gut vermitteln können. Und wir blicken auch darauf, ob sich die Eltern vielleicht zu wenig zeigen oder aber im Gegenteil zu autoritär sind:

  • Wer seine Bedürfnisse nicht klar zeigt, kann vom Kind nicht gesehen werden.
  • Wer allein seine Bedürfnisse in den Vordergrund stellt, kann nicht viel Kooperation erwarten.

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03 Mai

Andrea Zschocher: „Nicht mehr klein und noch nicht groß“

Meine allererste Beratung als selbständige Familienbegleiterin fand bei einer Familie statt, in der sich alles um den 5-jährigen Sohn drehte, der mitten in der Wackelzahnpubertät steckte. Das werde ich nie vergessen, denn wir haben unheimlich gut zusammengearbeitet und tolle Ideen für den Alltag entwickelt, wie Eltern und Kind etwas besser durch diese Zeit voller Umstellungen kommen konnten (und das war für mich ein großartiger Start). Seither war das Thema immer wieder Inhalt in meinen Coachings, denn viele Eltern kommen hier in Situationen, die sie vorher noch nicht meistern mussten: Kinder, die groß und klein zugleich sind – zum ersten Mal in ihrem Leben stecken sie in einem richtig krassen Gegensatz, wie dann erst später in der echten Pubertät wieder. Und den Eltern geht es nicht besser, denn sie erleben ambivalente Gefühle, weil sie erstmal ganz stark spüren, wie Wurzeln und Flügel zwar wichtig sind, aber oft unvereinbar scheinen. Das Kind braucht Nähe UND Loslassen. Aber wie? Was wann? Und überhaupt: HILFE!!

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21 Feb

Anne Sophie Winkelmann „Machtgeschichten“

Wenn Ihr vielleicht schon „Erziehung prägt Gesinnung“ von Herbert Renz-Polster gelesen habt und nun fokussiert „Kindheiten wagen“ möchtet, und wenn eventuell auch noch „Seelenprügel“ von Anke Elisabeth Ballmann eine Eurer letzten Lektüren war, dann ist Euer Blick gerade vermutlich sehr darauf gerichtet, Eure Kinder zu stärken: für eine gute Zukunft, für einen Weg als mitfühlende Menschen, gegen psychische Gewalt in Institutionen oder anderen Umgebungen. Ich empfehle Euch – mit oder ohne Kenntnis der o.g. Bücher – hier unbedingt die „Machtgeschichten. Ein Buch für Kinder über das Leben mit Ewachsenen“ von Anne Sophie Winkelmann (erschienen im claus Verlag). Die Autorin Anne Sophie Winkelmann möchte Eltern und pädagogisches Personal erreichen sowie auch die Kinder selbst, und sie zeigt sehr wertschätzend und ohne erhobenen Zeigefinger sowie mit viel Verständnis für die Erwachsenen, wo überall Kinder eben immer noch psychischer Gewalt und ungleichwürdigem Umgang ausgesetzt sind (oft unbewusst und manchmal auch ungewollt).

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05 Sep

Nora Imlau: „Du bist anders, Du bist gut“

Als Nora Imlau im Mai 2018 „So viel Freude, so viel Wut“ (Kösel Verlag) veröffentlichte, schaffte sie es, vielen Eltern zu erklären, was genau in den Köpfen und Körpern ihrer besonders gefühligen, temperamentvollen Kinder vor sich geht. Gefühlsstärke!

Der von Nora geprägte Begriff setzt diese individuelle Besonderheit in einen positiven Fokus und will kein Stempel sein sowie definitiv keinen Mangel erfassen. Die Einordnung soll dabei helfen, ein Kind in seiner Eigenart zu erkennen, um im Alltag bestmöglich reagieren zu können.

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15 Apr

Gegen den Hass! #niewieder

Irgendwann in der Mittelstufe, vielleicht in Klasse 8, hat es mich fürchterlich genervt, dass sich gefühlt jedes Gedicht, jedes Bild, jede Kurzgeschichte und jeder Roman auf den Holocaust bezogen. Ich kannte das Thema, meine Familie war politisch links von der Mitte und hat das nie ausgeblendet. Aber es war überall und kam immer so schuldbeladen daher. Was konnte ich denn dafür? Reicht es nicht auch mal?

Dann kam Rostock-Lichtenhagen am Ende des Sommers 1992. Ich war gerade 15 geworden, sah diese Bilder, hörte diese Menschen. Asylpolitik war in aller Munde. Überfälle, Bombendrohungen, Brandanschläge – Asylbewerber und die Gebäude, in denen sie lebten, waren nicht sicher. Es kam zu den Mordanschlägen in Mölln und Solingen. Tote auf Grund von rechtsextremer Gewalt! Viele Bands, v.a. aber Die Ärzte und Die Toten Hosen gaben uns mit „Schrei nach Liebe“ und „Willkommen in Deutschland“ die passenden Lyrics zu unseren Sorgen, unseren Gegenwehrgefühlen, unserer Abscheu gegen die Täter, und die örtliche Antifa holte uns ab mit wirklich guten (hier auch immer gewaltfreien!) Aktionen und Protesten, bot Austausch und Ideen.

Ja, mein Herz schlug da schon links. Ich war entsetzt! Ich las, hörte, redete, demonstrierte. – Und gut 20 Jahre später hatte ich kleine Kinder, die „Schrei nach Liebe“ mit mir hörten und Fragen stellten.

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