21 Feb

Anne Sophie Winkelmann „Machtgeschichten“

Wenn Ihr vielleicht schon „Erziehung prägt Gesinnung“ von Herbert Renz-Polster gelesen habt und nun fokussiert „Kindheiten wagen“ möchtet, und wenn eventuell auch noch „Seelenprügel“ von Anke Elisabeth Ballmann eine Eurer letzten Lektüren war, dann ist Euer Blick gerade vermutlich sehr darauf gerichtet, Eure Kinder zu stärken: für eine gute Zukunft, für einen Weg als mitfühlende Menschen, gegen psychische Gewalt in Institutionen oder anderen Umgebungen. Ich empfehle Euch – mit oder ohne Kenntnis der o.g. Bücher – hier unbedingt die „Machtgeschichten. Ein Buch für Kinder über das Leben mit Ewachsenen“ von Anne Sophie Winkelmann (erschienen im claus Verlag). Die Autorin Anne Sophie Winkelmann möchte Eltern und pädagogisches Personal erreichen sowie auch die Kinder selbst, und sie zeigt sehr wertschätzend und ohne erhobenen Zeigefinger sowie mit viel Verständnis für die Erwachsenen, wo überall Kinder eben immer noch psychischer Gewalt und ungleichwürdigem Umgang ausgesetzt sind (oft unbewusst und manchmal auch ungewollt).

Das Buch ist zweigeteilt; man kann es aus beiden Richtungen lesen und bearbeiten. Die eine Hälfte spricht besonders die Kinder an, die andere Eltern und Pädagogen. Letztere sollen lernen, besser hinzusehen

  • wie sie ihren Kindern begegnen,
  • wo sie überfordert sind,
  • wo sie vielleicht etwas verädern können,
  • welche Kinderbilder in Filmen, Hörspielen und Büchern gezeigt werden u.v.m.

Und sie sollen üben, privat und / oder beruflich an einer Veränderung mitzuarbeiten.

Die Kinder hingegen sollen ermutigt werden,

  • (alle!) Gefühle zu äußern,
  • nicht wertschätzenden Umgang mit ihnen zu erkennen und anzusprechen.

So funktioniert das Buch

Die Vorlesegeschichten für die Kinder (einschließlich der wunderschönen Bilder der Illustratorin Gaëlle Lalonde) beinhalten immer wieder kleine Fragen, um mit den Kindern ins Gespräch darüber zu kommen, was passiert und wie sich die Beteiligten fühlen. Sie starten jeweils mit einer sehr anschaulich geschilderten, typischen Situation wie hektisches Anziehen am Morgen oder im Spielen unterbrochen werden, um woanders hinzugehen. Dabei wird sorgfältg auf die Umstände und die Atmosphäre eingegangen.

Im Verlauf kann man dann zwischen zwei möglichen Verläufen wählen: zum einen einem Ausgang, in dem den Kindern nicht wertschätzend, sondern autoritär, Schuld gebend usw. begegnet wird, zum anderen einem Erzählstrang, der auch gestresste Erwachsene oder welche mit unguten verinnerlichten Glauenssätzen zeigt, die jedoch reflektieren, umschwenken und auf Augenhöhe auf die Kinder zugehen, um die Konfliktsiuationen liebevoll und mitfühlend zu lösen.

In einer ersten Variante fühlt sich ein Kind unwohl, erwartet Hilfe und Empathie, aber die eigentlich liebevoll agierende Mutter übersieht gehetzt die kindlichen Bedürfnisse, ist schließlich übrfordert, laut, unfair und hart. Sie spürt dies, entschuldigt sich auch, aber hat eben doch geschrien und von oben herab gefordert. In der zweiten Variante hierzu geht sie ins Gespräch, nutzt Elemente der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) und findet mit ihrem Kind einen Kompromiss.

Hinsehen, nachdenken, verändern

Im anschließenden Reflexionsbereich zu jeder Geschichte werden die Leser dazu eingeladen, sich Gedanken zu machen über Themen wie Strafen oder Wut. Es wird gefragt, wann sie zuletzt so gehandelt haben wie in der vorausgegangenen Gechichte geschildert, wie sie sich dabei gefühlt haben – und wie sich das beteiligte Kind wohl vorkam. Es wird animiert, eigene Erwartungen zu verändern, eigene Kindheitsthemen aufzuarbeiten, anders in die Momente mit den Kindern zu starten.

Man lernt, wie oft Wut aus pesönlicher Enttäuschung entsteht, für die das kindliche Gegenüber aber eigentlich gar nichts kann – denn es liegt so oft nur in uns. Wir werden eingeladen, einen zweiten Blick zu tun, kindliches Spiel zu respektieren und kindliches Können realistisch einzuschätzen, um miteinander lösend aktiv zu werden.

Und grundlegend?

Der Bereich, der sich nur an die Erwachsenen richtet, befasst sich sehr elementar mit Adultismus, einem diskriminirenden Machtgefälle zwischen Groß und Klein, mit Kinderrechten einschließlich Begrifflichkeiten wie Demokratie und Teilhabe. Der Leser wird ohne Vorwürfe herangeführt, diesen Themen Beachtung zu schenken und zu erlernen, im Alltag anders mit Kindern umzugehen. Wertschätzung und Vertrauen werden hochgehalten, Selbstreflexion und Begleitung großgeschrieben, gute Gesprächsführung mit Kindern erklärt.

Das Buch ist ein Muss für Eltern, die alte Glaubenssätze loswerden und kindliches Hörenmüssen über Bord werfen wollen, sowie für Erzieher, die Gewalt vermeiden, demokratisch mit Kindern umgehen und ihnen helfen möchten, mutige, starke, herzkluge Erwachsene zu werden. Es hilft uns dabei, emotionale Distanz endlich hinter uns zu lassen.

Bestellen könnt Ihr das Buch überall, wo es Bücher gibt, gerne aber direkt beim claus Verlag.

 

3 Gedanken zu „Anne Sophie Winkelmann „Machtgeschichten“

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