05 Jun

Die einfachste Beziehung – von Babyfallen und Lieblingskindern

Fast alle von uns, die mehrere Kinder haben, verraten hinter vorgehaltener Hand, dass sie manchmal ein „Lieblingskind“ haben oder dass es Zeiten gibt, in denen ihnen das eine Kind näher als das andere ist. Manchmal sind das sogar lange Phasen. Manchmal macht der Stress mit einem der Kinder sogar, dass wir uns die Babyzeit zurückwünschen oder sogar lieber noch ein neues, kleines Wesen, auf das wir uns konzentrieren können.

Ich glaube, das ist „normal“, menschlich, nachvollziehbar. Aber ich glaube auch, dass sich das negativ entwickeln kann – und wir deshalb genauer hinschauen sollten.

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26 Mai

Einen Koffer in Berlin – Keine Schuldfrage!

Manchmal schenkt einem das Leben unerwartet großartige Lernmomente. So ging es mir auf der Rückfahrt von der Blogfamilia. Zwischen dem Auschecken im Hotel und der Abfahrt meines Zuges war ich noch ein bisschen Berlin-Luft schnuppern und hatte am Ende die Zeit fast vergessen. Gehetzt kam ich auf dem übervollen Bahnsteig an, versuchte mich mit Koffer, Rucksack und Handtasche zum richtigen Gleisabschnitt durchzuarbeiten, an dem der Wagen mit meinem reservierten Platz halten würde, und wurde fast vom einfahrenden Zug mitgerissen. Ich gab auf, stieg irgendwo ein und quetschte mich im Zug durch Reisende, Großraumabteile, Taschenberge bis zu meinem Abteil – im letzten Wagen.

Auch dort war noch „Stau“: alle fünf weiteren Passagiere des Abteils waren in Berlin eingestiegen und sortierten ihre Sachen in die Gepäckfächer und sich auf die richtigen Sitzplätze. Schließlich hatte ich meinen Fensterplatz einnehmen können, schloss mein Handy mittels Ladekabel an die Steckdose an und trank erstmal einen Schluck Wasser.

In dem Moment rief die Frau, die gleich an der Tür saß, laut aus: „Wo ist denn die türkisene Tasche? Hast Du sie??“

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11 Mai

Liebe Mami!

Liebe Mami,

Du bist jemand, dem ist der Muttertag egal. Fast eher lästig. Blumen, Merci-Tafeln, Gebasteltes… Das was alle machen, weil es erwartet wird, war noch nie Deins.

Du bist jemand, dem das Grundgefühl in der Beziehung wichtig ist. Du brauchst kein Hofieren an einem besonderen Tag im Jahr, der im Kalender steht – genauso wenig wie ein tägliches „Ich lieb Dich so“.

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15 Apr

Gegen den Hass! #niewieder

Irgendwann in der Mittelstufe, vielleicht in Klasse 8, hat es mich fürchterlich genervt, dass sich gefühlt jedes Gedicht, jedes Bild, jede Kurzgeschichte und jeder Roman auf den Holocaust bezogen. Ich kannte das Thema, meine Familie war politisch links von der Mitte und hat das nie ausgeblendet. Aber es war überall und kam immer so schuldbeladen daher. Was konnte ich denn dafür? Reicht es nicht auch mal?

Dann kam Rostock-Lichtenhagen am Ende des Sommers 1992. Ich war gerade 15 geworden, sah diese Bilder, hörte diese Menschen. Asylpolitik war in aller Munde. Überfälle, Bombendrohungen, Brandanschläge – Asylbewerber und die Gebäude, in denen sie lebten, waren nicht sicher. Es kam zu den Mordanschlägen in Mölln und Solingen. Tote auf Grund von rechtsextremer Gewalt! Viele Bands, v.a. aber Die Ärzte und Die Toten Hosen gaben uns mit „Schrei nach Liebe“ und „Willkommen in Deutschland“ die passenden Lyrics zu unseren Sorgen, unseren Gegenwehrgefühlen, unserer Abscheu gegen die Täter, und die örtliche Antifa holte uns ab mit wirklich guten (hier auch immer gewaltfreien!) Aktionen und Protesten, bot Austausch und Ideen.

Ja, mein Herz schlug da schon links. Ich war entsetzt! Ich las, hörte, redete, demonstrierte. – Und gut 20 Jahre später hatte ich kleine Kinder, die „Schrei nach Liebe“ mit mir hörten und Fragen stellten.

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11 Jan

Sprache ist mächtig

„Wer hat wohl mehr Lust, sich zu engagieren? Der, den der Chef anbrüllt & niedermacht – oder der, mit dem sich der Chef hinsetzt & überlegt, was gut & schlecht gelaufen ist & was man wie ändern könnte? Und da schimpfst Du immer noch Dein Kind aus, im Glauben, dass das hilft?“

(Tweet von @hummelfamilie)

Dieser Tweet wurde von vielen so verstanden, wie er gemeint ist, aber etliche haben ihn auch diskutiert, und da der Inhalt uns Bindungsträumern wirklich wichtig ist, soll an dieser Stelle nochmal genauer darauf eingegangen werden.

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30 Dez

Was war, was ist, was wird?

Schon wieder liegt ein Jahr hinter uns allen. 365 Tage voller Leben! Konntet Ihr Zeit finden, die Geschehnisse und Gefühle, die Veränderungen und Erwartungen Revue passieren zu lassen?

Wie fühlt es sich an: Ein Jahr voller Hektik, einfach zum Abhaken? Oder war es ein Jahr mit vielen Momenten zum Genießen und Erinnern, zum Wundern und Leben? Was ist aus Dir geworden, Deinen Kindern, Deinen Liebsten, Deinen Freunden? Schritte nach vorn oder zurück? Stolpern, fallen, vielleicht wieder aufstehen, losrennen?

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26 Sep

Was ist Gewalt? – Teil 2

(Fortsetzung zu Was ist Gewalt? – Teil 1)

Perspektivwechsel

Was ist Gewalt? – Ich kann es für mich und für alle mir erdenklichen Situationen auch nicht immer eindeutig beantworten. Aber mir geht es hier ja vor allem um das Sensibilisieren im Austausch miteinander und Begleiten anderer Eltern, damit man sich dreimal überlegt, ob man zu dieser Vokabel greifen sollte, oder sein Argumentationsziel – ein Anregen zum Nachdenken – nicht doch anders erreichen kann. Und: ob man nicht selbst vielleicht auch nochmal überdenken sollte, ob sein eigener Standpunkt allgemeingültig ist! Weiterlesen

25 Sep

Was ist Gewalt? – Teil 1

Erst diese Woche sprach mich wieder eine Mutter an, dass sie manchmal das Gefühl habe, die heutige Flut an Informationen in Büchern, Blogs und Zeitschriften und die Menge an Austauschmöglichkeiten im Netz sei nicht einfach nur bereichernd im Sinne von „Online-Clan“, sondern würde vor allem oft verunsichern und Themenbereiche erst problematisieren, die sie vorher gar nicht als problematisch aufgefasst habe. Sie würde beginnen, sich über Dinge Gedanken und Sorgen zu machen, die sie ohne die Lektüre einfach mit gutem Bauchgefühl bewältigt hätte und die ihr nicht ansatzweise als bedenkenswert in den Sinn gekommen wären, was bei vielem wohl auch gut gewesen wäre.

Muss man wirklich drüber nachdenken, ob man selbst nur seinem Kind etwas zum Geburtstag schenkt oder auch allen Geschwistern, damit es ja keine Enttäuschung gibt? Muss man immer aufpassen, dass man sich seinem am Boden liegenden Baby niemals so nähert, dass es den Hals überstreckt und über Kopf gucken muss? Muss man immer das akkurat messende, neumodische Badethermometer zur Hand haben oder reicht bei einer spontanen Planschorgie nicht einfach die Hand als guter, gesunder Ratgeber? Muss man sich Vorwürfe machen, weil man beim Stillen am Smartphone gelesen UND lauthals gelacht hat…und das Baby sich verschluckt hat?

Ich verstehe sie sehr gut und versuche im Austausch mit den Müttern, die ich begleite, immer Sicherheit mitzugeben. Lesen, Clan, Information – das kann Gold wert sein; es kann rückenstärkend wirken, Input geben für Diskussionen mit Menschen, die einem vorschreiben wollen, wie man mit seinem Kind doch bitteschön umzugehen hat – aber es kann genauso das Gegenteil bewirken! Verunsichern, überfordern, geradezu in Panik versetzen und Ängste schüren.
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22 Mai

ROOOOAAARRRRR! – Löweneltern brauchen wir.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich es zuerst geschrieben habe … da ging es um mich und wie ich mich empfunden habe. Es war ein Moment der Erkenntnis:

„Ich war eine Löwenmama!“

Mir waren alle anderen egal – ich habe nur mein Kind gesehen und gekämpft.

Und inzwischen schreibe und sage ich es ganz oft zu anderen Eltern: „Sei stark, trau Dich, schau nur auf Dein Kind! Steh hinter ihm, sei eine Löwenmama / ein Löwenpapa! Sag, was es braucht. Sag klar und deutlich, was Ihr wollt! Sag, dass Du es liebst, egal, was los ist, egal, was es vielleicht gemacht haben mag.“

Ich habe ein ganzes Stück Weg gebraucht, aber bin mit meinen Kindern wunderbar da hineingewachsen. Sie haben mir gar keine andere Möglichkeit gelassen. Diese kleinen Wesen, die noch nicht selbst für sich sprechen und einfordern können. Die erst nur weinen und schreien, dann durch Gesichtsausdrücke, Wutanfälle, Schubsen oder Beißen, „unangepasstes Verhalten“, sogenanntes „Sich-nicht-an-Regeln-Halten“ und Auffallen zeigen, dass etwas nicht stimmt. Die dann in der Außenwelt immer wieder auf Unverständnis treffen.

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03 Mai

Ich trage dich in die Welt!

Oft hört oder liest man von verunsicherten Eltern, Großeltern oder aber kinderlosen Leuten Bedenken bezüglich des Tragens. „Ist das überhaupt gut fürs Baby? Verwöhne ich es dadurch nicht total? Warum soll ich das Kind ständig rumtragen? Warum mag es nicht im Bettchen oder Kinderwagen liegen?“ – Hier ein paar Gedanken dazu aus meiner Sicht als Mutter von drei getragenen Kindern und (seit Kind 3) Trageberaterin. 

 

Die Antwort auf die Frage, warum wir unsere Babys tragen sollten, ist relativ simpel: Der menschliche Säugling ist ein Tragling.

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