14 Okt

Was ist AP im Alltag? Was ist mein Bindungs(t)raum?


Attachment Parenting bezieht sich für viele erst mal nur auf die Babyzeit, vielleicht noch auf die Kleinkindjahre, und wenn sie es hören, denken sie besonders an:

  • Stillen

  • Tragen

  • Familienbett

Im Alltag ist es aber eben kein Abhaken eines Punktekatalogs.

AP kann auch sein zu erkennen, dass ein Baby besser schläft, wenn es alleine in seinem Bett liegt, dass die Eltern besser schlafen, wenn sie sich aufteilen und eine Zeit lang nachts trennen und nur einer beim Baby schläft, dass es irgendwann bei größeren Kindern ein Geschwisterbett gibt statt eines Großfamilienbetts mit den Eltern.

AP kann auch sein zu erkennen, dass ein Kind lieber viel am Boden liegt und sich bewegt, statt viel getragen zu werden. Oder dass ein Baby gerne im Kinderwagen liegt anstatt in der Enge des Tragetuchs zu sein.

Es kann aber genauso gut sein, dass man spürt, dass ein Baby oder Kleinkind vielleicht zwei Jahre lang oder mehr stillen möchte, und man kann das leisten. Es kann sein, dass ein Kind aus dem Familienbett auszieht und mit 5 wiederkommen möchte. Es kann sein, dass es mit 4 wieder dringend getragen werden möchte, vielleicht auch, wenn es im Kindergarten startet oder ein Geschwisterchen gekommen ist oder auch ohne sofort erkennbaren Grund. AP kann auch sein zu erkennen, dass ein Kind im Kinderwagen nicht mit dem Gesicht zu den Eltern gerichtet fahren mag, was sie beim Kauf noch für so wichtig hielten, sondern dass es in die Welt hineinschauen möchte und dies gut verkraftet.

AP ist eben vor allem Beziehung, Einfühlen, Spüren was gebraucht wird. Empathie, sich einlassen auf was auch immer gebraucht wird. Reagieren, ausprobieren, auch mal scheitern und neu angehen.

Und dabei versuchen das Familiengefüge in Balance zu halten, denn alle brauchen unterschiedliche Dinge: das jüngste Familienmitglied, die anderen Kinder, die Eltern als Einzelpersonen und als Paar.

Das klingt für manche Ohren nach einem unerklimmbaren Berg und nach unerreichbarer Perfektion, aber das ist es gar nicht.

Es braucht nur Zeit, Herz, Vertrauen und Kommunikation. Es braucht eigentlich ziemlich wenig Bücher, keine Einteilung in Phasen und Schübe, keine Vergleiche mit anderen. Es braucht ein Hinsehen, und es braucht Milde, besonders auch mit sich selbst.

Der Weg wird holprig sein, aber der Weg ist schon das Ziel. Der Weg ist anstrengend und Arbeit und wird Zeit und Nerven und Tränen kosten, und Eure Kinder werden manche Dinge eventuell erst später tun als andere Kinder, nämlich dann, wenn sie soweit sind.

Aber dafür sind sie nicht „dressiert“; sie machen sie, wenn sie soweit sind, von ganz alleine. Und ich kann Euch gar nicht sagen, was das für ein großartiges Gefühl ist. Da hat sich jede Mühe gelohnt, und plötzlich läuft alles von ganz alleine – getragen von der guten Beziehung.

IH

3 Gedanken zu „Was ist AP im Alltag? Was ist mein Bindungs(t)raum?

  1. Ich liebe Dich! Du hast das in Worte fassen können, was „mein“ Weg mit Dir und Deiner Schwester war. Ich bin sehr stolz auf Dich.
    Mama

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