21 Nov

Confused Parenting and Housekeeping – „Ein Vater greift zur Flasche“ und mehr von Christian Hanne

Bindungs(t)räume steht dafür, Gedanken in die Welt zu tragen, die Eltern darin bestärken sollen, einen bindungsorientierten Weg mit ihren Kindern zu gehen. Attachment Parenting gilt als eine Grundlage unserer Arbeit, aber diese Basis ist sehr offen, sehr bunt gehalten! Es gibt nicht den einen Weg, sondern viele – alle auf der Basis von Bindung und Beziehung. Liebe und Kommunikation. Und Lachen, sehr viel Lachen! 😉

Wir halten die Augen stets offen, um neue Gesichtspunkte zu entdecken, weitere spannende Familien zu treffen, Inspiration zu finden für unsere Arbeit. Aktuell sind wir auf ein äußerst spannendes Konzept gestoßen: „Confused Parenting and Housekeeping“.

CPaH geht zurück auf den Autor und Blogger Christian Hanne, der in seinen Büchern „Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith“ und vor allem im aktuellen „Ein Vater greift zur Flasche“ von seinen Erfahrungen mit diesem Modell berichtet.

Wir haben ihn zu einem sehr, sehr ernsthaften Interview getroffen, dessen Inhalte die moderne Pädagogik noch über Jahre beschäftigen werden:

 

Was bedeutet „Confused Parenting and Housekeeping“ für Dich konzeptuell?

Confused Parenting and Housekeeping“ (CPaH) versöhnt Eltern mit ihrer eigenen Schusseligkeit und Unzulänglichkeit, die in erster Linie daraus resultiert, dass wir uns zunehmend im Vereinbarkeitsspagat verrenken. Wir müssen einfach an zu viel denken. Hausaufgaben müssen kontrolliert, neue Klamotten gekauft, Vokabeln abgehört, Kuchen für den Schulbasar muss gebacken, Geschenke für Kindergeburtstage besorgt, Termine für den Zahnarzt ausgemacht werden. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Da ist es nur verständlich, wenn einem etwas durch die Lappen geht.

Der CPaH-Ansatz sagt, dass wir uns dafür nicht selbst kasteien sollen. Jeder und jede kann mal etwas vergessen. Doof nur, wenn es das Kind in der Kita ist und das erst beim Abendbrot auffällt.

 

Wie ordnest du den CPaH-Ansatz im Vergleich zu anderen pädagogischen Konzepten ein?

Ich denke, er ergänzt sich ganz prima mit allen anderen Erziehungsansätzen, egal ob autoritäre Erziehung, Attachement Parenting, Laissez Faire oder Unerzogen. Niemand möchte ständig konsequent sein, Regeln durchsetzen, immer alle Bedürfnisse im Blick haben oder nicht schimpfen. CPaH erlaubt uns das.

Beim CPaH gibt es einige theoretische Überschneidungen mit dem „Einen Scheiß muss ich“-Ansatz. Aber er sollte nicht mit der „Phlegma als Chance“-Ideologie verwechselt werden, die in erster Linie dazu dient, Faulheit zu kaschieren. Was sich mit CPaH aber sehr gut vereinbaren lässt.

 

Wie geht es Euren Kindern mit diesem Weg?

Ich gehe davon aus, dass die Kinder CPaH als Segen empfinden. Zum Beispiel wenn wir vergessen, Sie ins Bett zu schicken. Oder wenn wir nicht zum Einkaufen gekommen sind und deswegen abends Pizza bestellen. (Was übrigens auch die Eltern als Segen empfinden.) Oder wenn ich sie nicht ermahnen kann, ihre Zimmer aufzuräumen, weil sich auf meinem Schreibtisch eine begehbare Skulptur aus nicht abgehefteten Dokumenten türmt.

 

Wie kam es, dass Du darüber gleich zwei Bücher geschrieben hast?

Wegen meines missionarischen Drangs, andere durch meine pädagogischen Weisheiten zu erleuchten. Weil Menschen in der Regel aber nicht gerne missioniert werden wollen, habe ich meine Doktrin in das heitere Gewand der Alltagsatire gekleidet

 

Wie reagiert die Leserschaft? Man findet ja konkrete Handlungsanweisungen, nach denen verzweifelte Eltern so dringend suchen, nur sehr verklausuliert – und nicht in einfachen Listen zum Abhaken.

Listen und konkrete Handlungsanweisungen sind mit CPaH nicht vereinbar. Zum einen sind verwirrte Eltern nicht in der Lage, Listen abzuhaken oder Handlungsanweisungen zu befolgen. Zum anderen bekäme ich es gar nicht auf die Reihe, solche Listen zu erstellen und Handlungsanweisungen zu formulieren.

 

Könntest Du Dir eine Art Kurskonzept vorstellen, das interessierten Eltern CPaH deutschlandweit näher bringt?  Vielleicht als Franchisegeschäft?

Ein deutschlandweites Kurskonzept bekäme ich wahrscheinlich auch nicht auf die Reihe. Aber Franchising hört sich gut an. Ich bekomme durch den Verkauf von Lizenzen Geld, und andere müssen die Arbeit machen. Ein Traum!

 

Vielen Dank für das spannende Interview. Wir hoffen alle auf Band 3 Deines Werkes, um dieses innovative Konzept gut verinnerlichen zu können.

Und wer jetzt noch mehr lachen möchte, liest einfach bei Christian selbst weiter. Eine echte Empfehlung aus unserer Kategorie „Druckwerke mit Herz für Große“! Denn fröhliche Eltern haben Kraft für anstrengende Eltern-Kind-Beziehungen. 😉

Ein Gedanke zu „Confused Parenting and Housekeeping – „Ein Vater greift zur Flasche“ und mehr von Christian Hanne

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