24 Feb

Denkst Du, Geben ist ein Tauschgeschäft?

Habt Ihr schon mal Vorwürfe zu hören bekommen, dass Ihr „zu nett“ zu Euren Kinder wärt? Sie toben und verweigern sich, motzen, flippen aus, und Ihr habt immer noch die Kraft, höflich, gelassen, bestimmt, aber liebevoll zu bleiben. Sie müssen überredet werden, im Alltag mitanzupacken, und trotzdem zollt Ihr ihnen Respekt und Dank, wenn sie es tun – und andere meinen, sie müssten das kommentieren oder von sich selbst berichten: Wenn meine Kinder so drauf wären, bekämen die überhaupt kein nettes Wort mehr von mir! Die sollen sich erstmal zusammenreißen, dann bin ich auch wieder höflich. Die sollen erstmal lernen, wie man miteinander umgeht, dann mache ich das auch respektvoll. Wie mit einem Erwachsenen.

Oder: Die sind doch noch klein. Die brauchen diese Art von Ansagen. Und sie müssen helfen. Ich mache ja auch alles für sie. Da braucht’s kein Danke. Höre ich ja auch kaum.

Es gibt Leute, die finden es bescheuert, dass ich mich bei meinen Kindern fürs Müllraustragen bedanke. Es gibt Leute, die finde ich bescheuert, sobald sie den Mund aufmachen.

Ich war mal eine Weile verunsichert, weil ich mit der Frage / Kritik konfrontiert würde, wenn unsere Beziehung zu den Kindern doch so gut sei, wie es dann sein könnte, dass sie motzen oder unwillig seien, wenn es um zum Beispiel lästige Aufgaben im Haushalt geht. (Was für eine seltsame Fragestellung eigentlich!)

 

Gute Beziehung – immer Ja und Amen?

Hm, ja man, wie kann das sein? Wir tun doch so viel für sie – kann man da nicht gefälligst ein beständiges Zurückgeben ohne Gemoser erwarten??

Nein!
Kann man nicht. Denn das ist hier keine Geschäftsbeziehung. Ich sage doch auch, ich mag nicht mit ihnen kneten oder das dritte Mal Buch x vorlesen.
Jeder kann sagen, was er fühlt. Und dann kann man ins Gespräch gehen und sagen, warum man diese Hilfe trotzdem vom anderen erwartet. Und der andere kann es annehmen – oder nicht. Gegenargumente liefern oder oder.

WIRKLICH WICHTIG und die Güte der Beziehung zeigend sind meiner Meinung nach Momente, in denen die Kinder Situationen sehen, in denen Hilfe und Mitgefühl tatsächlich unbedingt und ohne Gezeter angebracht sind. Nicht der Müll, der raus muss. Jeden Tag wieder. Sondern die Mama, die mit Rückenschmerzen auf der Treppe hockt – da kommen alle meine Kinder und fragen, wie es mir geht, wie sie mir helfen können, bieten mir ihren Arm als Stütze an oder tragen meine schwere Tasche. Auch wenn sie eigentlich Lust auf etwas anderes hatten.

DAS ist es doch, was unser bindungs- und beziehungsorientierter Umgang mit den Kindern mit uns als Familie macht! Empathie, Liebe. Hinsehen, da sein.

 

R – E – S – P – E – K – T   –  und Zeit lassen zum Großwerden

Und wenn wir Großen den Kindern das vorleben, ihnen das „hinhalten“, immer wieder anbieten, sie ernst nehmen (wie möglichst jeden Erwachsenen auch), respektvollen Umgang mit unseren Mitmenschen pflegen, dann wird sich das sicher auch bei ihnen zeigen – sobald sie auch emotional so weit entwickelt sind, dass sie spontane Unlust nicht mehr ausufernd zeigen müssen.

(Graphik zur Verfügung gestellt von www.kleinermensch.net.)