27 Nov

KON•SE•QUEN•ZEN

Wie oft wabert der Begriff „Konsequenzen“ durch Diskussionen rund um Erziehung, Kinder und Strafen. Warum wir Strafen für absolut schädlich in guten Eltern-Kind-Beziehungen halten, haben wir hier bereits erklärt. Aber was meint nun „Konsequenzen“ – und kann das was sein, was okay ist?

Machen wir es ganz einfach: wenn irgendetwas von meinem Kind getan oder gelassen wird, das ich nicht okay finde, ist alles, was ich mir extra und eher verquer überlegen muss, eine Strafe. Und beziehungsschädlich!

  • Vokabeln nicht gelernt – Taschengeldentzug
  • in den Schreibtisch geschnitzt – Fernsehverbot
  • Müll nicht rausgebracht – Handy abgeben

Alles, was ganz von alleine aus einem Tun oder Lassen unseres Kindes heraus passiert, sind natürliche Konsequenzen – die sich keiner ausdenken muss und die keiner verhindern kann.

  • Wäsche nicht in die Waschküche gebracht – Wäsche liegt dreckig im Kinderzimmer
  • Hausaufgaben nicht gemacht – Hausaufgaben sind nicht vorzeigbar
  • Wutanfall auf dem Weg zum Spielplatz – späteres Ankommen als geplant

Wir Großen können darauf mit Strafen reagieren – oder mit ins Gespräch Gehen („Was war da los? Warum war das so? Findest du das gut? Mich stört das weil…! Finden wir eine Lösung für die Zukunft?…“), was natürlich die bessere Alternative ist.

Und manchmal sollten wir darauf auch mit unseren persönlichen Konsequenzen reagieren – die wir uns nicht ausdenken müssen, sondern die einfach da sind, weil wir sie fühlen, weil unsere Grenzen angegangen wurden, weil wir zeigen sollten, wie es uns geht. Weil wir authentisch und konsistent sein können.

  • Wir sind heute so oft aneinandergeraten, dass ich keine Kraft mehr haben, so lange vorzulesen; lass uns nur kuscheln.
  • Die Nacht war so schlecht, dass ich ganz unkonzentriert bin und mich nicht mit zwei Kindern ins Schwimmbad traue.
  • Der Schreibtisch, den Du kaputt gemacht hast, ist mein alter. Ich hänge daran. Ich möchte, dass Du überlegst, wie man das reparieren kann. Ich bin gerade zu traurig  und zu erschrocken um zu helfen.
  • Du hast so doll und lange gebrüllt. Ich weiß, das musste raus, aber mir dröhnt jetzt der Kopf und ich mag keinen Fernseher laufen haben.

Und auch:

  • Das Kochen mit Dir hat so gut geklappt, dass ich noch Power hätte, auch was zu backen – magst Du?
  • Du hast heute so wahnsinnig gut mitgemacht beim Arzt im Wartezimmer, dass ich noch Nerven genug hätte für den Weg zum Buchladen.
  • Du hast die ganze Wäsche eingesammelt und sortiert, so dass ich alles sofort anstellen konnte. So hab ich jetzt schon Zeit – magst Du etwas spielen?

Gerade in den Familienberatungen mit Eltern, die Wert auf Bindung und Beziehung legen, müssen wir das oft thematisieren, weil so große Angst besteht, man könne ins Strafen verfallen – nur weil man sich zeigt.

Dabei ist der Unterschied gar nicht so schwierig. Und das Äußern unserer Gefühle und Grenzen auch relevant! Wachsen unsere Kinder in empathischer Umgebung auf, werden auch sie oft verstehen, wann wir einfach mal nicht mehr können, wenn wir uns so äußern.

ABER!

Was wir nicht erwarten dürfen ist, dass das Äußern unserer persönlichen Konsequenzen zwingend irgendetwas im / am Kind bewirkt.

In jedem Fall können wir klar äußern, wie es uns geht und was eben unsere persönlichen Konsequenzen (nach möglichst genauer Überlegung) sind. Aber: wenn das Kind eben echt nicht anders kann, können wir uns – mit unseren persönlichen Konsequenzen im Gepäck – nur daneben setzen und aushalten.

Wenn das Kind aber könnte, doch dies bislang nicht umgesetzt bekam vor Autonomiestreben und aufgebrauchter Kooperationskraft, könnte das Aufzeigen unserer persönlichen Konsequenzen durchaus helfen, dass es aktiv wird, unsere Seite sieht und sich den Gegebenheiten besser anpasst.

Unser Kind will aber eben nicht immer nicht – es kann oft einfach nicht. Und dann können unsere persönlichen Konsequenzen ausgesprochen und gelebt werden – aber wir dürfen nicht erwarten, dass sich etwas ändert / dass irgendwas aktiviert wird.

Zum Beispiel: fünfter aggressiver Wutanfall in Folge, mir fehlt die Kraft unter Leute auf den Spielplatz zu gehen. Ich sage das meinem Kind und handle entsprechend. Ist es emotional noch nicht gereift genug im Bereich Impulskontrolle, wird meine Konsequenz auch nichts bewirken außer dass ich eben meine Grenzen geschützt habe. Ist es aber eigentlich schon weiter, kann seine Impulse eigentlich ganz gut kontrollieren und steht sich heute nur selbst im Weg, wird es vielleicht einlenken.

Sprich: „persönliche Konsequenzen“ eines Elternteils müssen raus dürfen, damit wir nicht kaputt gehen, aber wir dürfen sie nicht als Werkzeug sehen oder ein solches Funktionieren erwarten! Aber: je nach Entwicklungsstand des Kindes können sie es aktivieren.

Ein Gedanke zu „KON•SE•QUEN•ZEN

  1. Pingback: KON•SE•QUEN•ZEN – Inke Hummel

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