07 Dez

Dr. med. Herbert Renz-Polster und Nora Imlau: „Schlaf gut, Baby“

Neulich wurde ich gefragt, was denn ein gutes Buch über Babyschlaf ausmacht. Nachdem ich gerade nochmal in meinen Notizen geblättert habe, die ich mir zu meinem Lieblingsbuch über Baby- und Kinderschlaf gemacht habe, ist es mir wieder eingefallen: es muss ganz viel Information darin sein über das Schlafen in diesen Altersstufen und Input, wie man dem Kind helfen kann, gut zu schlafen. Bücher, in denen der zweite Teil mehr Raum einnimmt und das Dem-Kind-Helfen bei genauerem Hinsehen ein Dem-Kind-etwas-Aufzwingen ist, sind für mich ein No Go und meilenweit weg vom Kind und jedem gesunden Bauchgefühl.

Das dieses Jahr erschienene Buch „Schlaf gut, Baby!“ von Dr. med. Herbert Renz-Polster und Nora Imlau (erschienen im Gräfe und Unzer Verlag) ist dieses Lieblingsbuch von mir.

Auf den ersten 100 Seiten erklären die Autoren genau, warum Babys und auch Kleinkinder oft noch anders schlafen als wir. Sie wollen Verständnis schaffen für Dinge wie Nähebedürfnis, Begleitungsnotwendigkeit, Hunger in der Nacht oder Wachphasen. Mythen werden aufgeklärt, die Angst vor einem möglichen Verwöhnen wird genommen, und Eltern werden in ihrem Bauchgefühl gestärkt; dazu erhalten sie Fakten an die Hand, um sicher ihren Weg zu gehen und sich auch einem möglicherweise kritischen Umfeld gegenüber behaupten zu können.

Schlaftrainings werden in diesem Zuge genau beleuchtet, erklärt und sehr logisch nachvollziehbar abgelehnt. Es wird herausgestellt, dass Kinder zusätzlich zur fürs Durchschlafen notwendigen körperlichen Reifung Vertrauen lernen müssen und keine Disziplin!

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In der zweiten Hälfte des Buches kann man Ideen sammeln zu günstigen Schlaforten, Einschlafbedingungen und -hilfen, letzteres aufgeschlüsselt nach Altersstufen. Auch Gedanken bezüglich besserer Durchschlafbedingungen und der sanften, langsamen Veränderung eingeschlicher Gewohnheiten findet man – aber alles eben im Rahmen der Möglichkeiten, die man hat, wenn man die Beziehung zum Kind nicht gefährden und sein Bauchgefühl nicht aufgeben möchte. Insgesamt ist das gar nicht mal so wenig, sondern umfasst nochmal fast 100 Seiten: jeder, der besser schlafen will und offen für neue und teilweise ungewöhnliche Wege ist, wird in diesem Werk ganz konkrete Hilfestellungen für besseren Schlaf für alle finden. Dabei werden nicht einfach nur Tipps aufgelistet, sondern jeweils auch wieder viele spannende Erklärungen zu den einzelnen Punkten gegeben – dies alles ist dabei absolut leicht lesbar, auch für müde Eltern! Ihnen werden im Text weiterhin viel Verständnis und Mitgefühl entgegengebracht, was beim Lesen einfach gut tut, und es wird ganz viel Gelassenheit vermittelt.

In meinen Gesprächen mit jungen Eltern habe ich schon viele positve Rückmeldungen zu dem Buch erhalten. Ab und zu wird es leider auch kritisiert, weil angeblich „schnelle Rezepte fehlen“. Hier versuche ich dann einzuhaken und finde in der Regel heraus, dass das Buch nicht in Gänze gelesen wurde. Denn sonst weiß der Leser, dass die Autoren – wie oben beschrieben – etliche konkrete Ideen für bessere Nächte vorstellen, aber dass sie eben keine klaren Anleitungen und Patentrezepte geben. Dies würde auch nicht zu ihrem bindungsorientierten Ansatz passen!

Fazit: Besser geht’s nicht! Das Buch hat die Grundhaltung, für die auch Bindungs(t)räume steht, und beinhaltet einen Berg an Informationen, leicht lesbar zusammengefasst und dargestellt, für eine „Gute Reise durch die Nacht“. In meinen Kursen werde ich nichts anderes mehr empfehlen: Schlafen soll ein Wohlgefühl bringen und ist kein Erziehungsfeld.

IH