13 Sep

Eingewöhnen – zack, zack!

In Gesprächen oder Beratungen rund um das Thema Eingewöhnung finde ich es auffällig, dass immer wieder klare und sehr kurze Zeiträume angegeben werden, die für die Zeit des Ankommens eines Kindes in der neuen Umgebung vorgesehen sind. Fragt man nach, liegt das oft an äußeren Bedingungen: Aufnahme in den Einrichtungen nur zu bestimmten Zeiten, viele Kinder auf einmal, Elternzeit-Ende kurz darauf, wartende Arbeitgeber, finanzieller Druck… Manche Erzieher haben mir gesagt, das sei das, was die meisten Eltern als Entlastung hören wollten; andere erzählten, mehr Raum sei in ihrem Kindergarten auch gar nicht, weil in den heißen Phasen ständig neue Kinder kommen und jeder ja den intensiven Kontakt zu einem Bezugserzieher brauche.

Aus bindungstheoretischer und aus Kindersicht tut das alles ziemlich weh, und es ist wunderschön, wenn es anders läuft / laufen kann. „Bei uns ist immer das Kind der Chef!“ war die Aussage einer Kita-Leitung, die mich sehr gefreut hat.

Ja, genauso sollte es immer sein. Nicht ohne Grund wurden sowohl das Berliner als auch das Münchner Modell nach ausführlichen Studien und auf der Basis von bindungstheoretischem Wissen erstellt: kindzentriert, mit Blick auf Temperament, Vorgeschichte, Bindungsverhalten.

Was läuft da?

„Berliner Modell? Münchner Modell? Wir machen unser Ding; so eine Mischung daraus und aus unserem Weg; nach 2 Wochen läuft das!“ Solche Aussagen bekommt man manchmal, wenn man in einer Kita nach den Eingewöhnungsmodalitäten fragt. Tja, für viele Kinder mag das gut gehen, aber nicht für alle – und diese Gruppe ist sicher keine kleine (und umfasst wowohl U3- als auch Ü3-Kinder!). Ein bindungstheoretisches Fundament hat natürlich seinen Sinn!

Wenn wir Eltern nichts dazu sagen, wird es sich nicht ändern. Auf dem Papier kann alles mögliche an Vorgaben stehen; wenn es im Alltag nicht eingehalten wird, hilft es nicht weiter. Es leidet: das Kind! In erster Linie. Aber mittelfristig wahrscheinlich auch Familie und Kita. Denn ein nicht wirklich gut eingewöhntes Kind wird erfahrungsgemäß häufiger krank, zeigt eher auffälliges Verhalten, verursacht so in der Betreuung und zu Hause Probleme und Stress, was vermeidbar gewesen wäre.

Darum möchte ich an alle Eltern und auch Erzieher appellieren, sich zu trauen, das anzusprechen. Auch wenn die Umstände herausfordernd sind. Nur so kann sich etwas ändern.

Sich trauen und fürs Kind einstehen!

Gerade die Eltern haben dann manchmal die Sorge, sie würden so als besonders anstrengend oder gar klammernd wahrgenommen werden. „Sie müssen ihr Kind ignorieren, wenn es immer wieder zu ihnen will im Gruppenraum!!“ – derlei Tipps hört man dann tatsächlich, und wenn man dann auf sein Herz hört und das Kind nicht ignoriert, erntet man unter Umständen tatsächlich verdrehte Augen.

Aber: darum geht es nicht. Es ist egal, was einzelne in der Einrichtung von Euch denken. Oder was andere Eltern sagen mögen. Es geht nur darum, dass Euer Kind gut ankommt. Dann ist am Ende alles leichter für alle Beteiligten – für die Erzieher und auch für Euch.

Ich bin immer wieder froh, wenn ich andere Verläufe höre, denn auch die gibt es zum Glück oft: Kinder und Eltern, die ernst genommen werden, Erzieher, die sich persönlich einsetzen, alles dafür tun, echte Bezugsperson zu werden, sensibel zuhören und reagieren. Wenn das aber nicht so ist: sprecht es an! Stärkt Eurem Kind den Rücken. Wer soll es sonst tun?

Es kann nicht sein, dass wir Familien zu Bittstellern werden, die sich dem unterordnen müssen, was der Arbeitsmarkt braucht und was die Strukturen in der Kitalandschaft (Ausbau von Plätzen, aber nicht von Mitarbeiterzahlen und Mitarbeiterwissen) hergeben.