08 Mrz

Béa Beste und Stephanie Jansen – „Gemeinsam schlau statt einsam büffeln“

Als Béa Ihr Buch ankündigte und ich nur das Cover überflogen habe, dachte ich „Gemeinsam schlau statt einsam büffeln“ (Duden Verlag), sei eine Hilfe dafür, wie Eltern ihre Kinder bei Hausaufgaben, Lernen, Vertiefen – kurz: beim Thema Schule – unterstützen können.  Vielleicht würde auch noch etwas darüber drin stehen, wie viel besser Kinder für die Schule lernen können, wenn sie merken, dass ihre Eltern sich für Inhalte ebenfalls interessieren, oder aber wenn die Eltern ihnen zeigen, wo man die schulischen Inhalte tatsächlich anwenden kann.

Dann kam das Buch. Ich wunderte mich sofort darüber, wie dick es ist, wie umfangreich! Ich konnte mir nicht vorstellen, dass man so viel zum Thema Hausaufgabenbegleitung u.ä. schreiben könnte.

Sehr neugierig begann ich zu lesen, blätterte mal hier hin und mal dorthin und merkte nach den ersten Einblicken: das Buch ist genau gar kein Buch, dass mir primär sagen möchte, wie ich mein Kind gut bei den von der Schule gestellten Hausaufgaben begleite!

Bumm! Da wurde mir bewusst, wie sehr man als Eltern Lernen sofort mit Schule verbindet. Und als Kind vermutlich auch. Und dann als nächstes wahrscheinlich noch mit dem Begriff Langeweile.

Das Buch von Béa und Stephanie ist aber genau anders!

Wir miteinander

Der Untertitel sagt es eigentlich schon präziser „So lernen Eltern und Kinder zusammen. (Mit 188 Spielen und Ideen)“ – es geht um unser familiäres Miteinander, es geht um alltägliches Leben und persönliches Wachsen. Jeder für sich, wir miteinander – wie auch auf Béas Blog. Kein lernen für Klassenarbeiten und nach einem Curriculum!

In dem Buch wird hingeschaut, wie die Kommunikation in der Familie aussehen kann, wie Alltag gestaltet werden kann, wie unsere Beziehungen gepflegt werden können – weil die Autorinnen Lernen nicht in einem seperaten „Raum“ sehen, sondern als ewigen Teil unseres Seins und Tuns, und genauso soll es ja eigentlich sein.

Darum finde ich das Buch auch aus bindungsorientierter Perspektive sehr ansprechend, denn es will gerade nicht dazu verleiten, die Kinder unter Druck zu setzen, um brav Bestnoten zu erzielen. Stattdessen will es uns dabei helfen zu sehen, wie wir lernen, wer wir sind, was unsere Kinder für Talente haben, wie wir sie genau dort abholen und begleiten können.

Das Buch ist dabei unheimlich vielseitig und enthält so viel mehr, als man erwarten würde.

Ein dickes Paket

Der Leser beginnt, Kinder genauer in ihrer Entwicklung zu verstehen, und kann so begreifen, wie ihr Lernen funktioniert und welche zahlreichen Bereiche es umfasst. Er lernt Lerntypen kennen und Talente von sich selbst und seinen Kindern einzuschätzen, um dort ansetzen zu können.

Ich musste dabei an eines unserer Kinder denken: es „hakte“ in der Grundschule, positive Rückmeldungen waren selten, die Motivation entsprechend gering. Was war unsere Lösung? Wir haben hingeschaut und entdeckt, dass das Talent das Künstlerische ist und dies außerhalb der Schule gefördert: mit Material, mit Zeit, mit Helfern, mit Freiraum, mit Anregungen. Und siehe da: er machte wunderbare Erfahrungen – und das stärkte ihn auch für seine schulischen Aufgaben.

Wer spürt, was er kann und dass er etwas kann, der kann gelassener und freier auf andere Bereiche zugehen und dort einfach mal schauen, was möglich ist – ganz ohne Druck.

So schaut auch das Buch hin und beleuchtet dabei aber außerdem noch die Elternseite: was sind denn wir für Menschen, was ist unsere Geschichte, was interessiert uns Große? Was wollen und können wir noch lernen, auch von anderen, auch von unseren Kindern?

Und: wir wirkt sich das auf unseren Umgang mit den Kindern aus? Im Alltag, in Bezug auf schulische Dinge, in der Kommunikation, beim Spielen.

Es ist wirklich spannend, sich mit Hilfe der Gedanken und Erfahrungen im Buch mit sich selbst zu befassen und genauer hinzusehen, wie verkopft man beispielsweise oft mit den Kindern umgeht oder welche falschen Erwartungen man hat – und schließlich daran zu arbeiten.

Grundpfeiler sehen – und spielen

Die Autorinnen geben uns Wissen mit rund um das Kommunizieren, das Pflegen von Beziehungen, das richtige Streiten und auch erzieherische Belange. Dabei gehen sie einen typisch bindungsträumerischen Weg, auf dem sie sowohl die Bedürfnisse der Kinder sehen, aber auch die der Eltern, und klar Mut machen bzw. dazu auffordern, nicht nur Liebe oder Nähe, sondern auch Selbstfürsorge und Strukturen als unser aller Bedürfnis anzuerkennen und danach zu leben.

Mit all diesem Input kann man schließlich in den dritten Teil des Buches starten, in dem Arten des Spielens vorgestellt werden, die Wichtigkeit des im Flow sein Dürfens betont wird und dem Leser fast 200 Spielideen aus verschiedensten Bereichen vorgestellt werden. Man kann wählen, welche Sparten einen besonders interessieren, es gibt Altersangaben und viele offene Möglichkeiten hinsichtlich Varianten, Material oder Zeitaufwand. So kann sich jede Familie herauspicken, was zu ihr passt, und es so in ihren Alltag integrieren, wie es sich genau für sie richtig anfühlt.

Und das schulische Lernen? Ich glaube, das kann man nach der Lektüre nochmal ein Stück unverkrampfter sehen; allein schon auf Grund verbesserter Kommunikation, aber auch wegen der Erkenntnis, wie viel mehr Lernen eigentlich ist als der Inhalt der Schulbücher – und sowieso natürlich wie wenig ein Sammelsurium an Zeugnisnoten darüber aussagt, wie talentiert, motiviert und vielseitig ein Mensch ist.