15 Jan.

Der sichere Hafen für unsere wütenden Matrosen

Ich weiß noch, wie ich mich gefühlt habe, als mein Kind mich zum ersten mal mit einem bitterbösen Wort betitelt hat und weggerannt ist. Eigentlich eher mich zur Hölle gewünscht hat. Und neue Eltern wollte. In mir tobte damals ein heftiger Kampf aus Verständnisaufbringen und Zutodebeleidigtsein.

Inzwischen weiß ich, dass eigentlich alle Eltern diese Momente kennen. Das Problem daran ist, dass bei etlichen das Beleidigtsein gewinnt. Sie nehmen das Gesagte persönlich. Sie nehmen ihrem Kind die gezeigte kalte Schulter, die Ablehnung übel.

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23 Nov.

Entspannte Eltern haben … es gut!

„Entspannte Eltern haben entspannte Kinder“ ist sowas von gelogen!

Entspannte Eltern können alle möglichen Kinder haben. Das Temperament bringen die Kinder schon mit – egal, auf welche Eltern sie treffen.

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13 Aug.

Ergebnisse – wir wollen Ergebnisse sehen!

Du versuchst, Deinem Kind bedürfnisorientiert zu begegnen, und hast die Erwartung, dass Euer Alltag sich immer weiter entspannt, Ihr Euch gut versteht, Harmonie immer mehr bei Euch einzieht – aber das ist gar nicht so?! Wutanfälle, weil die Treppe zu lang ist, die Radtour zu kurz, die Limo zu gelb, die Hausaufgaben zu doof? Beißattacken, während Ihr eigentlich nur ein Buch lest oder Du das gewünschte Mittagessen kochst? Du wirst angeschrieen, während Du den bestellten Pulli am Reißverschluss schließt oder Ihr im Lieblingsschwimmbad seid?

Immer wieder begegnen mir Eltern, die dann frustriert sind. Natürlich!

Natürlich?

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14 Juni

MANGELHAFT! Oder doch nur verschieden?

Ich habe es selbst erlebt. Und ich habe mich umgehört. Es ist nicht schön!

Fallen Kinder aus dem Rahmen, wird fast immer ein Begriff dafür gefunden, der nicht gut ist. Nicht positiv. Der nach Mangel und Kritik klingt. Der sich so anhört, als sei das Kind falsch, müsse verändert und angepasst werden.

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29 Mai

Vom Abgrenzen und Nähesuchen

Mein Kind und ich hatten einen Streit. Nichts Großes. Man könnte auch eher Meinungsverschiedenheit sagen. Kurz vorm Zubettgehen. Wir diskutierten immer noch, als ich sie ins Bett begleitete, aber eigentlich war alles besprochen. Müde waren wir beide, brauchten Feierabend.

Sie setzte sich auf Ihr Bett, ihre Körpersprache sagte laut und klar: „Ich bin motzig. Ich brauche Abstand. Lass mich!“ Sie zog eine Grenze.

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04 Apr.

Streiten braucht Zutrauen

Oh ja, Geschwisterstreit ist und bleibt ein Dauerbrenner. Dabei ist das gar nicht so ein isoliertes, katastrophales Thema, wie es vielen oft erscheint, weil es eine Zeit lang den Alltag so zu bestimmen scheint. Es gehört ganz allgemein zum Gebiet des Konfliktlösens und betrifft außer Geschwistern untereinander auch (Einzel-)Kinder mit Freunden, Kinder in Spielgruppen oder Betreuungseinrichtungen, Kinder in Auseinandersetzungen mit ihren Eltern oder anderen Erwachsenen – und auch uns Erwachsene, ganz ohne Kinder.

Streiten will gelernt sein! Streiten ist wichtig und sinnvoll. Wer nie streitet, lebt hoffentlich als Einsiedler irgendwo auf einer verwunschenen Insel, denn sonst ist es recht sicher, dass er in Beziehungen steckt, die unausgeglichen sind. Dauerhafte Harmonie und immer gleiche Wünsche und Bedürfnisse sind sehr unwahrscheinlich.

Streiten kann eine große Chance sein, für jede Beziehung – wenn man es richtig macht.

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30 Jan.

Mein Herzenswunschkind oder No more Mildikinder

Ich hätte so gerne noch ein Kind gehabt.
Ich wollte dann einiges anders machen und besser als bei den ersten beiden. Ich wusste so vieles noch nicht.
Ich hätte so gerne die Chance gehabt, diesem Kind von Anfang an der Mensch zu sein, den ich als Kind gebraucht hätte.

Doch dann macht mir dieser Scheiß Krebs einfach so einen Strich durch die Rechnung, mit seinen Operationen und den Vernarbungen und dem ganzen Mist.
Und ich versuche, vernünftig zu denken und nicht so egoistisch zu sein, aber mein Herz…

Immerhin bin ich ja schon Anfang vierzig und wer weiß, ob es gesund wäre…aber mein Herz.
Und meine großen Mildikinder verlangen mir so viel ab, dass ich doch gar kein weiteres Kind mehr schaffen würde…aber mein Herz.
Und wegen der Vernarbungen werde ich immer öfter ohnmächtig vor Schmerzen, dass ich das kaum noch aushalten kann…aber mein Herz.
Und selbst, wenn ich den passenden Mann dazu hätte, wäre es äußerst unwahrscheinlich, auf natürlichem Wege…aber mein Herz.
Und dann müsste ich auch einen frühen totalen Muttermundverschluss machen lassen, das hieße viele Risiken eingehen und den Rest der Schwangerschaft liegen…aber mein Herz.
Und die Gefahr einer Frühgeburt wäre so groß, und ich habe ja schon ein Frühchen und weiß, was das bedeutet für ein Kind, all die Schmerzen und das Alleinsein und die Angst und die unabsehbaren Folgen…aber-

und dann wird mir klar, was jetzt meine Aufgabe ist und wie ich mich entscheiden muss und dass das absolut Größte, was ich für dieses Herzenswunschkind tun kann, ist, es nicht zu bekommen.

Als ich die Einwilligung für die Operation abgebe, die mir meine Gebärmutter und damit den Traum von einem dritten Kind endgültig nehmen wird, ist mir trotzdem, als hätte ich gerade mein eigenes Todesurteil unterschrieben. Da hilft auch die ganze Vernunft nichts.

„When your mind’s made up
When your mind’s made up
There’s no point trying to change it
When your mind’s made up
When your mind’s made up
There’s no point trying to stop it

You see, you’re just like anyone
And when the shit falls, all you want to do is run, away
And hide all by yourself
There is no one, who is gonna run to help“

(The Frames „Mind’s made up“)

Und dann schließe ich die Tür und weine und weine.

Bis ich keine Tränen mehr habe und meine Gedanken nicht mehr so laut sind und Platz machen können für etwas Neues.

08 Dez.

„Ich hab‘ heute wieder nichts geschafft!“

„Ich habe heute wieder nichts geschafft!“ oder aber „XY hat gesagt, ich schaffe ja den ganzen Tag nichts wegen des Kindes. Ich fühle mich so schlecht.“ – wie oft höre ich solche Sätze während meiner Arbeit von Eltern, vor allem Müttern. Ich finde diesen Blick auf die „Bindungsarbeit“ so fürchterlich falsch, und versuche auch immer, das dann zu vermitteln. Weiterlesen

21 Nov.

REVOLUTION STEHT AUF UNSEREN FAHNEN!

Eine Atmosphäre, wie auf der , in der Kinder einfach dazu gehören, das hätte ich gerne immer und überall. (Bindungsträumemitglied @lurle auf Twitter)

Wir Bindungsträumer sind zurück von der FEBuB – Familienkonferenz für Elternschaft, Bindung und Beziehung, die am 18. und 19. November 2017 in Bochum stattfand, und unsere Köpfe und Herzen sind voll von Inspiration, Begegnungen, Menschen. Überall war die Haltung der Teilnehmer zueinander zu spüren, die auch unserem Verein zu Grunde liegt: ein Miteinander, ein Wachsenwollen, Optimismus, Hoffnung, Hilfsangebote, Netzwerk, „das Dorf“. Unabhängig davon, wie der andere aussah, sprach oder auftrat, wurde einander zugehört und sich kennengelernt. Es gab Aha-Momente neben Oje-stimmt-Momenten.

Es war unbeschreiblich!

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06 Juli

Wem die Stunde schlägt… – Was braucht mein (Vor-)Schulkind?

Zurzeit werde ich am häufigsten mit Fragen zu den Bereichen Einschulung, Vorschulalter, „Zahnlückenpubertät“, Schulwahl, erstes Schuljahr, Klassenkameraden, Klassenlehrer und diesem ganzen Feld konfrontiert. Die Unscherheit ist groß, Ängste sind da, Sorgen – tatsächliche und von außen herangetragene. Ich habe mit vielen Familien gesprochen, verschiedene Kinder kennengelernt, bin ganz unterschiedlichen Temperamenten begegnet und sehr verschiedenen Fragestellungen.

Anfangs waberte in meinem Kopf die nebulöse Idee, ich könnte einen Text darüber verfassen, was beispielsweise die kognitive und emotionale Entwicklung mit 5, 6, 7 Jahren in etwa anbelangt, wie weit Kinder dies und das schon können und wo sie leicht überschätzt oder auch unterfordert sein können, wie man ihnen begegnen und helfen könnte – vielleicht hinsichtlich der Impulskontrolle und der Selbstregulation, der Kooperation oder der Kommunikation mit Gleichaltrigen.

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